Es war mal wieder eine Woche zum Haare-raufen. Donald Trump hielt eine 108-minütige Rede zur Lage der Nation, um sich selbst zu feiern, erwähnte die Epstein-Files mit keinem Wort und griff stattdessen den Iran an, um von den aktuellen politischen Problemen abzulenken. Dem Regime von Ali Khamenei werde ich kaum eine Träne nachweinen, auch wenn Trump mit seiner Iran-Politik wieder nur ein Problem „löst“, das er durch den Austritt aus dem Atomabkommen mit dem Iran selbst geschaffen hat.
Wladimir Putin drohte unterdessen erneut mit dem Einsatz von Atomwaffen und drehte das Narrativ seines Angriffskriegs weiter: Nun behauptet er, der Krieg sei notwendig gewesen, um einem angeblichen Angriff der Ukraine vorzubeugen.
Doch die Welt dreht sich weiter. Fast lautlos werden neue Freihandelszonen geschaffen: Nach 25-jährigen Verhandlungen stimmte die EU plötzlich dem Mercosur-Freihandelsabkommen zu. Auch mit Indien einigte man sich nach 20 Jahren auf ein Abkommen. Länder wie Australien, Kanada, Mexiko, Japan und Südkorea rücken näher an die EU heran und isolieren damit die USA weiter.
Aktuell passiert viel in der EU, um die Abhängigkeit von den USA zu verringern. Baden-Württemberg hat endlich Windows und Office 365 den Rücken gekehrt, und weitere Bundesländer werden hoffentlich bald folgen. Das österreichische Bundesheer ist diesen Schritt bereits gegangen. Frankreich ersetzt Microsoft Teams und Zoom aus Sicherheitsgründen mit eigenen Anbietern. Wer derzeit Speicher und RAM für seinen PC kaufen will, wird sich über die explodierenden Preise wundern – ein Nebeneffekt der massiven Investitionen der EU in die eigene Internetinfrastruktur und Serverkapazitäten.
Ganz Nebenbei hat ein niederländisches Unternehmen gerade einen Durchbruch erzielt, der Europa die vollständige Kontrolle über die technologische Zukunft der USA gibt: ASML hat die Leistungsabgabe seiner Chip-Herstellungsmaschinen von 600 auf 1.000 Watt erhöht. Laut Reuters bedeutet dies, dass bis 2030 bis zu 50 % mehr Chips produziert werden können. Europa ist die einzige Region auf diesem Planeten, die über diese Technologie verfügt. Trump hat gerade 15 % Zölle auf alles erhoben, was Europa in die USA exportiert. Gleichzeitig hängt jedoch jeder fortschrittliche Chip, der in Amerika hergestellt wird, vollständig von Maschinen ab, die nur ein europäisches Unternehmen bauen kann – und dieses Unternehmen hat seine Maschinen gerade deutlich leistungsfähiger gemacht.
Was ASML gerade bekannt gegeben hat, ist nicht nur eine technische Leistung. Es ist Europas Weg, sich dauerhaften Einfluss auf die amerikanische Technologie für das nächste Jahrzehnt zu sichern. Jedes Smartphone, jeder Computer, jedes KI-System und jede militärische Waffe nutzt Halbleiter – winzige Chips mit Milliarden mikroskopischer Schaltkreise. Die Herstellung fortschrittlicher Chips erfordert das Bedrucken von Mustern, die kleiner als ein Virus sind, auf Siliziumwafer. Der einzige Weg, dies zu tun, sind extreme Ultraviolett-Lithographiemaschinen. ASML ist das einzige Unternehmen der Welt, das diese EUV-Maschinen herstellt. Es ist nicht nur das führende Unternehmen, sondern das einzige. Laut Tom’s Hardware kontrolliert ASML über 90 % der fortschrittlichen Lithographie und 100 % der EUV-Technologie. Jede Maschine kostet zwischen 200 und 400 Millionen Dollar. Intel, der führende amerikanische Chip-Hersteller, kann ohne sie keine fortschrittlichen Chips herstellen. TSMC und Taiwan können ohne sie keine Chips herstellen. Samsung und Korea können ohne sie keine Chips herstellen. ASML ist der Mutter aller Lieferengpässe – und europäisch.
Trump hat die globalen Zölle auf 15 % erhöht, nachdem der Oberste Gerichtshof sein vorheriges Zollregime für illegal erklärte. Europa reagierte, indem es das riesige Handelsabkommen zwischen den USA und der EU einfror. Jetzt kündigt ASML an, die Chip-Produktionskapazität um 50 % erhöht zu haben – genau in dem Moment, in dem Amerika diese Maschinen dringender denn je für die KI-Entwicklung und Halbleiter-Unabhängigkeit benötig.
Die USA können ASMLs Technologie in keinem vernünftigen Zeitrahmen nachbauen. Laut Investment Monitor sind die Maschinen so komplex, dass keine einzelne Person vollständig versteht, wie sie tatsächlich funktionieren. Sie erfordern Komponenten von 800 globalen Zulieferern, von denen die meisten europäisch sind.
Europa könnte darauf reagieren, indem es ASML-Exporte in die USA vollständig einschränkt, Lieferzeiten verlängert oder einfach die Preise für Maschinen erhöht, die Amerika dringend benötigt. Jede ASML-EUV-Maschine kostet bereits 200 bis 400 Millionen Dollar. Was ist da schon ein 15-prozentiger Aufschlag, wenn man der einzige Anbieter ist?
Historische Präzedenzfälle zeigen, was passiert, wenn kritische Technologien wie diese zu einer geopolitischen Waffe werden. Während des Kalten Krieges beschränkte die USA den Export von Halbleitern in die Sowjetunion über das Koordinierungskomitee für multilaterale Exportkontrollen. Die Beschränkungen lähmten die technologische Entwicklung der Sowjetunion für Jahrzehnte.
Trump erhöhte die Zölle, um Europa unter Druck zu setzen, doch Europa kontrolliert die Maschinen, die die USA für die KI-Dominanz und Halbleiter-Unabhängigkeit benötigen. Amerika hat keine alternative Bezugsquelle und kann die Technologie nicht innerhalb eines Jahrzehnts – wahrscheinlich sogar noch länger – selbst entwickeln.
Ein typisches trumpisches Eigentor. Das passiert, wenn man einen krankhaften Egomanen in das wichtigste Amt des Landes hieft.

