Wir hier in Frankreich haben noch fast Glück. Die Energiepreise an der Tankstelle sind zwar gestiegen, aber nicht in dem Maße wie beim Nachbarn in Deutschland. Aber auch bei den Anrainern Deutschlands werden sich die Preise langsam erhöhen. Warum sich die Ölmultis ausgerechnet in Deutschland an einer Krise so schamlos bereichern müssen, ist ein anderes Thema.
Dass die Folgen des Krieges Israels und der USA gegen den Iran noch wesentlich weitreichendere Folgen haben werden, wird langsam ersichtlich und ist durchaus beängstigend.
Nachdem Israel das iranische South-Pars-Gasfeld – die größte Erdgasreserve der Welt – angegriffen hat, reagierte der Iran mit Raketenschlägen auf die katarische Ras-Laffan-Industrial-City. Damit wurde das Herzstück der globalen Flüssiggas-Versorgung (LNG) getroffen.
South Pars beherbergt 51 Billionen Kubikmeter Gas. Ein Angriff hier trifft nicht nur den Iran, sondern auch Katar, da beide Länder das Feld gemeinsam nutzen. Als Reaktion beschädigte der Iran die Exportterminals in Ras Laffan massiv. Experten schätzen die Reparaturdauer auf drei bis fünf Jahre. Da Katar für 20 % der weltweiten LNG-Produktion steht, ist das globale Angebot strukturell verknappt. Während US-Beamte den Angriff als mit dem Weißen Haus abgestimmt bezeichneten, dementierte Präsident Trump dies auf Truth Social. Somit zerstörte Trump mit einem Tweet jegliches Vertrauen der Golfstaaten in seine Regierung.
Marktanalyse: Energie und Düngemittel (Stand: März 2026)
Die Auswirkungen auf die Rohstoffmärkte sind drastisch und unmittelbar. Erdgas ist nicht nur Brennstoff, sondern der Hauptrohstoff für Stickstoffdünger (Harnstoff/Urea).
• Erdgas: Der europäische Gaspreis (TTF) hat sich seit Beginn der Angriffe auf über 60 €/MWh nahezu verdoppelt.
• Harnstoff (Urea): Die Preise für Düngemittel sind explodiert. Harnstoff stieg allein im März um fast 50 % auf über 700 USD pro Tonne – den höchsten Stand seit 2022.
• Weizen: An den Terminbörsen kletterte Weizen auf rund 6,00 USD pro Scheffel. Landwirte in Exportländern wie Australien und den USA kürzen bereits ihre Anbauflächen, weil sie sich den teuren Dünger nicht mehr leisten können oder dieser schlicht nicht lieferbar ist.
Bei einer Abstimmung von 11 zu 1 entschied die US-Notenbank, die Zinsen stabil zu halten, da die Inflation durch die Energiepreise wieder ansteigt (Prognose: 2,7 %).
„Niemand weiß, wie lange die höheren Gaspreise anhalten“, so Fed-Chef Jerome Powell. Solange die Nahrungsmittel- und Energiepreise steigen, sind die erhofften Zinssenkungen für 2026 in weite Ferne gerückt. Dies bedeutet dauerhaft hohe Kreditkosten für Unternehmen und Verbraucher.
Europas Flucht nach vorn
Während der Nahe Osten brennt, zeigt sich bei uns ein schmaler Silberstreif am Horizont: Europas radikale Abkehr von fossilen Brennstoffen zahlt sich als Sicherheitsstrategie aus.
2025 stammten erstmals 30 % des EU-Stroms aus Wind und Sonne und überholten damit fossile Träger (29 %). Jede neue Windturbine und jeder einzelne Quadratmeter an Solaranlagen senken den Bedarf an Gasimporten aus Krisengebieten. Doch kurzfristig bleibt der Schmerz real: Die chemische Industrie und die Landwirtschaft leiden massiv unter den aktuellen Preisen.
Lieber Donald, Du kannst einen Krieg beginnen, um von den Epstein-Files abzulenken, aber es braucht die Gegenseite, um ihn zu beenden. Du musst das wissen, denn du selbst sagtest einmal dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj: „It takes two to tango“. Der Iran signalisiert durch die Blockade oder Besteuerung der Straße von Hormus (Berichten zufolge werden bis zu 2 Mio. USD Passiergebühr verlangt), dass er bereit ist, die Weltwirtschaft so lange unter Druck zu setzen, bis seine eigene Infrastruktur sicher ist.
Und was bedeutet das für uns, die Endverbraucher? Die Düngemittelknappheit von heute sind die leeren Regale oder massiven Preiserhöhungen von morgen. Besonders Fleisch, Brot und im Gewächshaus gezogenes Gemüse werden im Herbst 2026 deutlich teurer werden. Und während wir in Europa wegen der Preise quengeln, sind die Folgen in ärmeren Regionen dieser Welt natürlich fataler. Danke, Donald.


