Der Wendepunkt im Essigregal
Im September letzten Jahres stand ich etwas ratlos im Supermarkt vor dem Essigregal. In einem YouTube-Video hatte ich gehört, dass Apfelessig beim Abnehmen helfen soll. Nach jahrelangem Intervallfasten – mit anfänglich großen Erfolgen – trat ich nun seit einigen Jahren auf der Stelle, trotz dreier Fastentage pro Woche.
„Auf der Stelle treten“ ist genau genommen noch geschönt, denn seit Beginn der Covid-Zeit hatte ich schleichend 15 Kilo zugenommen.

Ich hatte vieles ausprobiert, und auch der Apfelessig schien nur der nächste vorprogrammierte Fehlschlag zu sein. Deswegen entschied ich mich für die günstigste Flasche für 89 Cent. Umso überraschter war ich, als ich bereits ab Tag 1 meinen Fastentag ohne eine einzige Heißhungerattacke durchstand.
Die magische 100-Kilo-Marke
Seitdem habe ich über 30 Kilo verloren und heute erstmals die 100-Kilo-Marke unterschritten. Damit gilt mein Zustand medizinisch nicht mehr als fettleibig (Adipositas), sondern „nur“ noch als übergewichtig. Das Normalgewicht ist kein ferner Traum mehr, sondern in greifbarer Nähe. Bei einem aktuellen Körperfettanteil von 29,7 % (ein guter Wert in meinem Alter wären 22 %) fehlen mir noch weitere 8 Kilo. Nach den bereits geschafften 30 Kilos klingt das absolut machbar.
Leider ist das Abnehmen keine lineare Angelegenheit – zumindest auf der Waage. In den letzten Wochen pendelte das Gewicht trotz unveränderter Routine zwischen 101 und 104 Kilo. Vermutlich liegt das daran, dass die inneren Organe, die vom viszeralen Fett jahrzehntelang eingeengt wurden, sich jetzt ihren Platz zurückholen. Mein Omron-Wert liegt aktuell bei 16, was geschätzten zwei Kilo Viszeralfett entspricht. Ideal wäre ein Wert unter 12 (ca. 1 Kilo).
Bereits im März hatte ich eine ähnliche Plateau-Phase. Bis sich nach einem längeren Spaziergang plötzlich etwas löste und ich innerhalb von 36 Stunden stolze 6 Kilo Wasser verlor. Auch dafür gibt es eine biologische Erklärung: Die Fettzellen sind zwar leer, aber noch vorhanden. Bevor der Körper sie abbaut, füllt er sie vorübergehend mit Wasser, um sie sozusagen durchzuspülen.
Die Kehrseite: Entgiftung und Nebenwirkungen
Die Entgiftung des Körpers ist allerdings eine Sache, vor der mich niemand gewarnt hat. Toxische Rückstände, die mein Körper jahrelang im Fettgewebe eingelagert hat, werden derzeit in unregelmäßigen Schüben freigesetzt. Die Quittung: kleine Pusteln auf dem rechten Arm, Juckreiz am ganzen Körper und extreme Müdigkeit.
Da ich diesen Prozess nicht verhindern kann, versuche ich, ihn aktiv zu unterstützen. Ich nehme täglich Gewürznelken und einen Esslöffel Olivenöl zu mir. Zudem gehören Flohsamenschalen fest zu meiner Morgenroutine. Diese Ballaststoffe erhöhen durch ihr Quellvermögen zwar kurzzeitig das Gewicht auf der Waage, halten aber den Darm in Bewegung und helfen bei der Reinigung.
Der Blick nach vorn
Am Wochenende steht eine 60 Kilometer lange Wandertour mit meiner Frau an. Ich hoffe, dass die Entgiftung danach weitestgehend abgeschlossen ist und mein Körper keine weiteren Überraschungen für mich bereithält – denn 6 Liter Wasser in 36 Stunden auszuschwemmen, bedeutete auch zwei fast schlaflose Nächte.
Im Juli folgt dann das nächste Highlight: eine große Wanderung auf der Insel La Réunion. Bis dahin behalte ich die Routine von drei Fastentagen pro Woche bei. Im August möchte ich dann einen Fastentag streichen und stattdessen mehr Sport treiben.
Ja, ich muss und will weiter abnehmen. Aber jetzt, wo meine Fettleibigkeit kein lebensgefährliches Ausmaß mehr hat, kann ich die Diät etwas lockerer angehen – und wieder ein Stück Lebensqualität zurückgewinnen.


